Der EU-Omnibus und die KI-Verordnung: Was bringt das für die AI-Literacy?
Der Art. 4 KI-Verordnung (AI Act) zur „AI-Literacy“ ist durch den Digital Omnibus 2026 der EU verändert worden. Die Änderung ist für Unternehmen relevant, weil sie die bisherige Formulierung einer „Sicherstellung“ ausreichender KI-Kompetenz durch eine risikobasierte Pflicht zur Förderung und Entwicklung von KI-Kompetenz ersetzt. Die Pflicht selbst bleibt nach wie vor bestehen.
Hier eine kurzer Einstieg in den Art. 4 mit Blick auf den Omnibus.
1. Was hat sich konkret geändert?
Bisher mussten Anbieter und Betreiber Maßnahmen ergreifen, um nach besten Kräften ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz ihres Personals sicherzustellen.

Die neue Fassung ab dem Omnibus lautet jetzt sinngemäß, daß Anbieter und Betreiber der Situation und dem Risiko angemessene Maßnahmen ergreifen müssen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals und anderer Personen zu unterstützen, die in ihrem Auftrag mit Betrieb und Nutzung von KI-Systemen befasst sind.
Dabei sind ausdrücklich zu berücksichtigen:
technische Kenntnisse,
Erfahrung,
Ausbildung,
Fortbildung,
Kontext der KI-Nutzung,
Personen bzw. Personengruppen, bei denen die KI eingesetzt wird.
2. Was bedeutet das praktisch?
Das ist keine Abschaffung der AI-Literacy-Pflicht, die weiter gilt. Aber es ist ein Wechsel vom generellen und unspezifischen „Sicherstellen“ hin zu geeigneten und kontextbezogenen Maßnahmen zur Entwicklung von KI-Kompetenz.
Das Unternehmen muss nachweisen können, eine systematische Analyse gemacht zu haben und festzulegen, welche KI-Kompetenzen für die Rollen erforderlich sind, sowie geeignete Maßnahmen zur Entwicklung dieser Kompetenzen umgesetzt zu haben.
Was muss ein Unternehmen dafür jetzt konkret tun?
Zunächst ist die KI-Nutzung zu beschreiben: Was setzen wir wie ein (ggf. über ein KI-Inventar und Prozessbeschreibungen)?
Dann sind die betroffenen Rollen zu erfassen. Wer arbeitet überhaupt mit KI und was macht die Person in welcher Rolle?
Erst dann kann man eine Anpassung machen. Hier einige Beispiele:
Rolle | KI-Nutzung | Kompetenzbedarf |
Mitarbeiter | ChatGPT/Copilot | Basic AI Literacy |
Fachabteilung | RAG-System | Anwendung + Datenrisiken |
Entwickler | LLM/API | Advanced |
AI Engineer | Modelltraining | Expert |
Administrator | AI Infrastructure | Technical Security |
Management | KI-gestützte Entscheidungen | Governance/Risk |
Datenschutz | KI + personenbezogene Daten | Legal/Privacy |
ISMS | AI Security | Security/Governance |
Wer schon eine Kompetenzmatrix nutzt, kann diese also nach Bedarf erweitern.
Wenn man diese Maßnahmen dann umsetzt und über Inhalte, Teilnehmerlisten und ggf. Prüfungen im Rahmen der Ausbildung nachweisen kann, hat man Art. 4 rollenbasiert umgesetzt und zudem die wichtigen Grundlagen für die erfolgreiche und sichere KI-Nutzung geschaffen.
3. Risiko „Nutzer“
Laut Art. 4 sind auch Personen zu unterstützen, die in ihrem Auftrag mit Betrieb und Nutzung von KI-Systemen befasst sind. Wenn also jeder Nutzer dazu mit den nötigen Kenntnissen ausgestattet werden muss, kann das rein zahlenmäßig sehr weit führen.
Daher muss dieses Thema gut vorbereitet werden, ggf. macht man für alle Nutzer eine eigene „Standard-Schulung für KI-Nutzer“ inhouse als Seminar oder Webinar oder über eine interne Lernplattform oder eine externe Online-Schulung vom Markt, dann hält sich der Aufwand in Grenzen.
4. Kompetenzstufe und Risiko
Nicht vergessen: Die Kompetenzstufe muss zum Risiko des KI-Systems passen!
Daher muss vorab die Risikoklasse feststehen, von ihr lassen sich alle weiteren Maßnahmen ableiten. Deshalb sollte ein Unternehmen nicht einfach ein allgemeines „KI-Schulungsvideo für alle“ bereitstellen. Sinnvoller ist beispielsweise eine Gruppierung für niedrige Risiken (z. B. für einfache User, der es für Textentwürfe nützt), aufbauend eine Schulung für mittlere Risiken, wenn Datenschutz, Unternehmensdaten oder RAG-Wissensdatenbanken relevant sind und schließlch für Hochrisiko Anwendungen, wenn Mitarbeiter KI-Systeme mit erheblichen Auswirkungen entwickelt oder betreibt.
5. Die gute Nachricht des Omnibus
Ganz entscheidend ist der letzte Satz in Absatz 1:
„Diese Verpflichtung verpflichtet Anbieter oder Betreiber nicht, für irgendeine Person ein bestimmtes Niveau an KI-Kompetenz zu garantieren.“
Man ist also nicht festgelegt, die Anforderung zur AI-Literacy kann bedarfs- und risikogerecht umgesetzt werden. Schulungen aller Art sind im Markt verfügbar oder können speziell entwickelt werden und extern oder intern stattfinden.
Wenn aber das Risiko klein ist, muss auch wenig getan werden! Auch die im Omnibus definierten Erleichterungen für KMU und SME helfen hier mit.
Vorteil ISO 42001
Wer schon ein Managementsystem gem. ISO 42001 eingerichtet hat, kann die o.g. Anforderungen i. d. R. sofort oder mit wenig Aufwand erfüllen. Denn dort spielen Risiken und Kompetenzen eine Rolle.
Wer es noch nicht hat, kann sich gerne an uns wenden, wir helfen Ihnen weiter!
Und wer sich hierzu eine Schulung aussuchen und buchen will, kann dies gerne über uns oder unseren Partner New Horizons tun, hier ist ein Link zum Thema ISO 42001 und Compliance:


