CRA und NIS2 im EnterpriseOS
- klauskilvinger
- Jan 10
- 3 min read
Ein gut implementiertes Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) nach ISO 27001 kann einen großen Teil der Anforderungen aus der NIS2 Richtlinie und dem EU Cyber Resilience Act (CRA) organisatorisch abdecken und strukturieren, ersetzt diese Regelwerke aber nicht.

Es dient als Fundament, auf dem jedes Unternehmen die NIS2‑Governance, CRA‑Konformität und sichere Produktentwicklung („Security by Design“) systematisch andocken kann. EnterpriseOS bildet ein solches ISMS hervorragend und flexibel ab.
ISO 27001 ISMS als Basis
Ein ISMS nach ISO 27001 liefert ein etabliertes Managementsystem (PDCA, Rollen, Richtlinien, Risikomanagement, KPIs), das sehr gut zu den „angemessenen und verhältnismäßigen Maßnahmen“ der NIS2 Richtlinie passt und gleichzeitig die Grundlage für CRA‑Compliance legt. Durch eine saubere ISO 27001 Implementierung und ggf. ISO 27001 Zertifizierung entstehen wiederverwendbare Strukturen, Policies und Nachweise für NIS2 und den Cyber Resilience Act.
Beispiel:
Ein Unternehmen nutzt sein ISMS nach ISO 27001, um zusätzlich zu klassischen Informationssicherheitsrisiken auch produktbezogene Risiken (z. B. für IoT‑Geräte oder Industrie‑Router) im gleichen Risikomanagement‑Prozess zu führen; so werden ISO 27001 Risikomanagement, NIS2‑Risikoanalyse und CRA‑Produkt‑Risikoanalyse in einem integrierten System behandelt.
Unterstützung der NIS2 Richtlinie
Die NIS2 Richtlinie gilt seit 6.12.2025, sie verlangt ein systematisches Cyber‑Risk‑Management, Sicherheitsrichtlinien, Lieferkettensicherheit, Incident‑Management und kontinuierliche Verbesserung – alles Kernelemente eines reifen ISMS nach ISO 27001. Dadurch lässt sich die NIS2 Umsetzung im Unternehmen effizient auf bestehenden Strukturen aufsetzen und in eine konsistente NIS2 Compliance Strategie überführen. Die ISO 27001 kennt die Fristen der NIS 2 nicht, aber im ISMS werden gesetzliche Anforderungen wie Meldepflichten und -fristen sowie Schulungen der Geschäftsleitung integriert.
Beispiel:
Der nach ISO 27001 ohnehin etablierte Incident‑Management‑Prozess wird erweitert, um NIS2 Meldepflichten abzubilden: Definition von Schweregraden, 24‑Stunden‑Vorwarnung und 72‑Stunden‑Detailmeldung an die zuständige Behörde werden als zusätzliche Schritte im bestehenden Incident‑Workflow dokumentiert; damit wird das Incident Management NIS2‑konform, ohne ein paralleles System aufzubauen. Die relevanten Teile des NIS2 sind ebenso wie die für manche Branchen zusätzlich gültige Durchführungsverordnung 2024/2690 zur NIS 2 sind bereits implementiert.
Beitrag des ISMS zum Cyber Resilience Act
Der Cyber Resilience Act fordert Security‑by‑Design und Security‑by‑Default, systematisches Vulnerability Management, Incident‑Detection, Produkt‑Lifecycle‑Management und strukturierte technische Dokumentation für betroffene Produkte. Ein etabliertes ISMS nach ISO 27001 bringt dafür bereits Prozesse mit, die im Sinne sicherer Softwareentwicklung (Secure Development Lifecycle) optimiert werden können und auch Change‑Management, Schwachstellenmanagement und Lieferkettensicherheit abbilden können, die sich direkt für CRA Konformität nutzen lassen.
Beispiel – Secure Development Lifecycle:
In einem Secure Development Lifecycle nach ISO 27001 werden Threat‑Modeling, Secure‑Coding‑Guidelines, Code‑Reviews und Security‑Tests vor Release verbindlich festgelegt; für CRA‑relevante Produkte verweist die technische Dokumentation auf diese ISMS‑Prozesse, ergänzt um produktspezifische Threat‑Modelle, Testreports und SBOMs (Software Bill of Materials). So wächst aus einem klassischen ISMS eine praxisnahe Cyber Resilience Act Umsetzung, ohne die Organisation zu überlasten.
Termine des CRA
Und die Termine sind wichtig, denn am 11.09.2026 beginnen Meldepflichten. Ab diesem Tag müssen aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwere Sicherheitsvorfälle an die zuständigen Stellen (z. B. ENISA/nationale Behörden) gemeldet werden.
Die vollständige Anwendung des CRA beginnt am 11.12.2027, ab diesem Datum dürfen nur noch Produkte auf den EU‑Markt gebracht werden, die die CRA‑Anforderungen vollständig erfüllen und eine CE‑Kennzeichnung nach CRA haben.
Produkte, die bereits vor dem 11.12.2027 in Verkehr waren, müssen grundsätzlich nicht vollständig nachgerüstet werden, unterliegen aber weiterhin den Meldepflichten und bei „wesentlicher Änderung“ den vollen Anforderungen.
Vulnerability Management und Meldepflichten
Ein ISMS‑gestütztes Vulnerability Management nach ISO 27001 umfasst typischerweise Schwachstellenscans, Triage, Patch‑Prozess und Kommunikation mit Kunden. Für NIS2 und CRA wird dieser Prozess gezielt erweitert: Neben der technischen Behebung von Schwachstellen werden NIS2 Meldepflichten und CRA‑Anforderungen an koordinierte Vulnerability Disclosure und Produkt‑Supportzeiträume integriert.
Beispiel – NIS2 & CRA kombiniert:
Eine neu entdeckte Schwachstelle in einem vernetzten Produkt landet im zentralen Vulnerability‑Prozess des ISMS; dort wird bewertet, ob NIS2‑relevante Dienste betroffen sind, ob Meldepflichten greifen und welche CRA‑relevanten Produkte inklusive Versionen und Kunden informiert werden müssen. So entsteht ein einheitlicher Prozess für Vulnerability Management nach ISO 27001, NIS2 und CRA.
Lieferkettensicherheit und Praxisintegration
NIS2 und der Cyber Resilience Act verstärken die Anforderungen an Lieferkettensicherheit deutlich. Ein bestehendes ISMS nach ISO 27001 mit definiertem Supplier‑Management und Third‑Party‑Risk‑Management hilft, NIS2‑ und CRA‑Spezifika (z. B. Security‑Kriterien, SLAs zu Patches, SBOM‑Bereitstellung, Offenlegungspflichten) in bestehende Prozesse einzubetten und so eine integrierte Lieferkettensicherheit für Informationssicherheit und Produktsicherheit zu etablieren.
Beispiel – Hersteller von Industrie‑Routern:
Ein ISO‑27001‑zertifizierter Hersteller erweitert sein Lieferantenbewertungsverfahren um CRA‑Kriterien (Bereitstellung von SBOM, Patch‑SLAs, Security‑Support‑Zeiträume) und NIS2‑Kriterien (Resilienz‑Nachweise, Business Continuity); damit nutzt er sein ISMS als Plattform, um ISMS als Basis für NIS2, ISMS als Basis für CRA und praktische Lieferkettensicherheit NIS2/CRA aus einem Guss nachweisen zu können.
Fazit für die Praxis
Ein reifes ISO‑27001‑ISMS hat die Aufgaben rund um NIS2 und CRA nicht „automatisch erledigt“, reduziert aber massiv die Zusatzarbeit, weil Governance, Risiko‑ und Prozess‑Struktur schon vorhanden sind.
Strategisch sinnvoll ist ein integrierter Ansatz: ISMS als zentrales Steuerungssystem, das NIS2‑Spezifika (Regulierung/Behörden) und CRA‑Spezifika (Produkt‑Konformität) als zusätzliche Sichten, Anforderungen und Nachweise auf derselben Struktur aufsetzt.
Mit einem ISMS auf Basis EnterpriseOS gehen Sie den entscheidenden Schritt zu mehr Effizienz, Effektivität und Sicherheit, denn damit werden zwei aktuelle Anforderungen gemeinsam (NIS2, CRA) hervorragend unterstützt.


